Elementarer Reggae mit Roykey C.R.E.O.Konzert in der Kleinkunstbühne Hinterhalt im Münchner Süden
Der Musiker Roykey Wydh spielte in Doldingers Passport und an der Seite von Lionel Richie. An seiner eigene Musik feilt, schraubt und tunt er schon ein Leben lang.
Es war eine Musik, wie eine schnelle Fahrt durch eine dynamische Rennstrecke der Afro-Reggae-Klasse. Ihr Auftritt startete wie an der Pole Position eines Formel Eins-Rennens. Bandleader Roykey und seine vier musikalischen Mitstreiter jagten die Drehzahl ihrer Musikmaschinen hoch, ließen sie röhren, bevor sie die Kupplung exakt in dem Moment kommen ließen, als es losging auf die dreistündige Reggae-Fahrt in der Kleinkunstbühne Hinterhalt im Tölzer Land. Schnell schossen die Musiker mit ihrem Sound dem herkömmlichen Mainstream davon. Eine Dynamik in der Musik, wie die der PS-starken Boliden auf den heißen AsphaltpistenAllesamt sind sie Profimusiker mit einem Bandleader, der früher zur Besetzung von Klaus Doldingers Passport gehörte und mit Larry Coryell, Alphonse Mouzon, Wolfgang Schmid und Lionel Richie auftrat. Immer wieder änderte sich die Geschwindigkeit der Musik, ganz so wie die der PS-starken Boliden auf den heißen Asphalt-Pisten. Meist führte Bandleader Roykey mit seiner Stimme und dem Klang seiner E-Gitarre das Feld an. Als würde der gebürtige Kreole von der Insel Aruba, nahe Venezuelas, mit seiner Rasta-Mähne immer wieder einen Gang zulegen, seinem Gitarren-Sound Stoff geben, von einer Kraft, die aus dem Inneren des Musikers zu kommen schien. Doch ebenso gefühlvoll drosselte er im nächsten Moment das Tempo im Spiel und blieb streckenweise bei dem ruhigen stampfenden Rhythmus der karibischen Musik. Mit zwei Fußpedalen, die vor ihm am Bühnenboden waren, tarierte er den Klang seiner Gitarre aus, wie mit einem Gas- und Bremshebel und lies einmal mehr sein Instrument aufheulen oder wie im Leerlauf im Wow-Wow-Ton erklingen. Musiker, die alle einen Gang zulegen könnenImmer wieder preschten seine musikalischen Mitstreiter heran. Wenn sich der Posaunist Valentin Günther aus Freising in die vorderste Reihe schob, dann übernahm der warme dumpfe Klang seines Instruments die Führung. Der junge Musiker vermochte ebenso gut wie Roykey einen Gang zuzulegen und beeindruckte mehrmals mit einem Solospiel die Zuschauer im Hinterhalt. Dagegen blieb Keyboarder Sebastian Hopfner aus München immer dezent in zweiter Reihe und war der starke Begleiter an diesem Abend. Auch die junge zierliche Schlagzeugerin Steff Da Drumma, sie kommt aus dem Allgäu, schob sich nie in den Mittelpunkt. Sie behielt lieber die Übersicht vom hinteren Teil aus und schaffte einen ruhigen Ausgleich mit ihrem fundamentalen Rhythmus in das lebendige Hin und Her des E-Gitarristen, der permanent zwischen Mikroständer, Percussions, Gitarren und seinen Fußpedalen herum eilte. Der Bassist Nii George aus Ghana war das musikalische „Safety Car“ in der Runde. Mit seiner dunklen und geradlinigen Klanglinie hielt er das musikalische Reggae-Rennen auf harmonischem Niveau. Reggae in SchellstufeIm dem Bandnamen Roykey C.R.E.O. versteckt sich die Lösung, um welchen besonderen Stil es sich bei der Musik aus der Feder von Roykey handelt: Denn C.R.E.O. steht für „Creativ Reggae Elementary Overdrive“ und Overdrive heißt übersetzt „Schnellstufe“. Der Kreole dagegen sieht seine Musik eher schlicht: „Es ist einfach nur mein Reggae.“ Die Musik seiner Wurzeln, an der er schon sein Leben lang feilt, schraubt und tunt.
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